Foto: Nikos T. /Kefalonia
Zur Entstehungsgeschichte des Buches
“hydros. Geschichten vom Wasser” hat zwei Ursprünge, die sich über Jahre hinweg angenähert und schließlich miteinander verbunden haben.
Der erste liegt in meiner langjährigen Beschäftigung mit dem Thema Wasser als Journalistin und Wissensmanagerin. Mich faszinierte Wasser nicht nur als Naturphänomen, sondern vor allem in seiner gesellschaftlichen, politischen und ethischen Dimension. Zugleich war immer eine Dringlichkeit spürbar, etwas beizutragen: Wasser ist eine der zentralen Ressourcen für kommende Generationen, und wir tragen Verantwortung dafür, eine Lösung der Probleme zu finden. Ab 2008 arbeitete ich im Projekt h2Oesterreich zu diesen Fragen, 2014 konnte ich diese Auseinandersetzung im internationalen Kontext fortführen, gemeinsam mit Studierenden der Cátedra Humboldt in Havanna im Projekt agua dulce.
Der zweite Ursprung von hydros fällt mit meinem Beginn als Schriftstellerin zusammen. 2018 schrieb der Kärntner SchriftstellerInnenverband einen Literaturwettbewerb unter dem Motto „ungehorsam“ aus. Meine Überlegung war, dass der größte Ungehorsam des Menschen jener gegenüber der Natur ist. Daraus entstand die Idee der „Wassermenschen“: Figuren, die sich den Kriegen im Hinterland entziehen und beschließen, den Kreis der Evolution zu schließen und ins Meer zurückzukehren.
Der daraus hervorgegangene Text atmen wurde mit dem Prosapreis Newcomer ausgezeichnet.
aus der Laudatio bei der Preisverleihung:
Die Geschichte über Wassermenschen in einer Welt weitab der verbliebenen Rest-Zivilisation ist eine Utopie in der Dystopie, der sich durch kreative Weltsicht, eine frische, wendige Sprache und eine packende Aktualität im Hinblick auf Gesellschaft und Klimawandel auszeichnet. Nicht wie man von einer derartigen Dystopie erwarten könnte, auf eine gespenstige Art und Weise, sondern locker und leicht, prickelnd wie ein Glas Sekt.
Betty Quast, Literaturwissenschafterin
hydros greift diese Erzählung auf und führt sie weiter. Das Buch versammelt Geschichten vom Wasser, die sich die Wassermenschen erzählen, wenn sie an Land kommen – Geschichten von Erinnerung, Verlust, Transformation und Rückkehr.
Während der Arbeit am Manuskript stand zeitweise die Idee eines Romans im Raum; zugleich war mir bewusst, dass mir dafür noch eine wesentliche Erfahrung fehlte: das Leben am und mit dem Meer. Diese Erfahrung konnte ich erst später machen – heute, da ich auf Kefalonia lebe. In diesem Sinn markiert hydros einen Anfang: ein Buch, in dem sich thematische Klarheit und poetische Suchbewegungen bündeln und das den Ausgangspunkt für eine weiterführende literarische Auseinandersetzung mit dem Element Wasser bildet.

160 Seiten, Taschenbuch
Bevor ein leichter Meereswind aufkam, der von der Ebbe herrührte, kehrten die Wassermenschen noch immer in die Häuser zurück. Das Kreischen der Möwen, die über der See taumelten, drang an ihr Ohr, sobald sie auftauchten. Aus einer alten Gewohnheit heraus begleiteten die Vögel sie so wie früher die Dampfer bei der Rückkehr in die Häfen. Bilbao schwamm wendig durch eine Öffnung in der 58. Etage ins Gebäude hinein. Das Glas war lange schon zerborsten.
Hydros in der Presse:

